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„English worse than Westerwave“ oder warum Günther Öttingers Version von der schönen neuen Englisch-Welt wohl auch nur eine Worthülse ist

Wer von Ihnen hat es nicht gesehen, das zugegebenermaßen recht lustige Video in dem der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Öttinger vollmundig verkündet, dass Englisch die Arbeitssprache der Zukunft sein wird? Ob auf youtube oder SPIEGEL online: Öttinger wurde zum (Lach-)Erfolg, zeigte er doch eindeutig, dass er selbst hinter den Erwartungen zurückbleibt, die sein bedrohlicher „wer nicht bald besser Englisch kann, muss sich nicht wundern wenn er arbeitslos wird“-Unterton suggerierte. Aber mal realistisch gefragt: Wird Englisch wirklich die Arbeitssprache der Zukunft? Oder ist das wieder ein absurder, neoliberaler Auswuchs mit dem hauptsächlich die Belegschaften unter Druck gesetzt werden sollen, wie mit etlichen anderen „Errungenschaften“ der letzten Dekaden?

Wer könnte das besser erläutern, als die Spezialisten des Goethe-Instituts? Und die sind sich sicher: Die Zukunft der deutschen Sprache entscheidet sich in Europa, denn hier hat sie ihren Schwerpunkt. In Europa übertrifft sie alle anderen Sprachen außer Russisch, was die Zahl der Muttersprachler angeht. Das sind nämlich 95 Millionen Menschen allein in Europa, und 120 Millionen auf dem ganzen Globus. Nicht umsonst ist Deutsch Amtssprache in sieben Staaten. Auch wenn Deutsch im Europarat seit 2004 keine „Amtssprache“ ist, gilt es doch als „Arbeitssprache“.

Deutsch gehört – als nationale Amtssprache von drei Mitgliedsstaaten (Deutschland, Österreich, Luxemburg) – selbstverständlich zu den EUAmtssprachen. Aufgrund von Art. 6 der „Verordnung Nr. 1 des Rates“ können die einzelnen EU-Organe unter den Amtssprachen Arbeitssprachen auswählen. Vermutlich, so das Goethe-Institut, entwickeln diese sich

mit der Zeit zu den Regierungs- und womöglich auch Verkehrssprachen Europas. Dabei zu sein ist daher für die Zukunft der deutschen Sprache von großer Bedeutung. Vielleicht sollte Herr Öttinger daher als EU-Kommissar für Energie auch ruhig einmal öfter Deutsch sprechen (was seinen Fähigkeiten sicher entgegenkommt). Englisch und Französisch sind vorherrschende EU-Arbeitssprachen. Deutsch ist aber auch anerkannte Arbeitssprache in Organen wie der EU-Kommission oder dem Ministerrat, wird jedoch selten verwendet. Deutschland versucht seit Jahren, die sprachliche Zurücksetzung zu bekämpfen. Deutsch ist anerkannte Minderheitssprache in Ostbelgien und Südtirol, wo es auch regionale Amtssprache ist, sowie in Dänemark (Nordschleswig), Frankreich (Elsass-Lothringen), Polen (Schlesien), Tschechien, Ungarn und Rumänien. Auch diese Sprachminderheiten werden von der EU unterstützt.

Es zeigt sich allerdings, dass Mitgliedsstaaten, deren eigene Sprache nicht zu den Arbeitssprachen zählt, Englisch als einzige Arbeitssprache klar bevorzugen. Dadurch ist die Stellung von Deutsch, aber auch Französisch, nach der EU-Erweiterung schwächer geworden. Daher unterzeichneten Frankreich und Deutschland im Juli 2000 eine gemeinsame „Sprachenweisung“ mit dem Ziel, sich besser gegenseitig zu unterstützen. Der deutschen (Sprach-)Politik mangelt es allerdings an theoretischer Konsistenz und praktischer Konsequenz bei der besseren „Vermarktung“ der deutschen Sprache. Fazit: Bis an den Supermarktkassen in Deutschland und in den Werkshallen unseres Landes fl ächendeckend Englisch gesprochen wird, werden noch Jahrzehnte vergehen – wenn denn solch ein absurder Zustand jemals eintritt, angesichts der Tatsache, dass Deutsch die größte Sprachgruppe in Europa darstellt. Aber gerade vor dem Hintergrund der Bedenken des Goethe-Instituts sollte man sich vielleicht fragen, warum ein EU-Kommissar, der sich mit der englischen Sprache offenkundig so schwer tut, ihr auf seine holprige Art „das Wort redet“… Artikel Ende

(Quelle: Goethe-Institut)

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