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eine Veränderung im Unternehmen tatsächlich nötig ist, nur nicht so, wie angedacht. Sondern so, wie Arbeitgeber u n d Betriebsrat glauben, dass es gehen kann. Denn am Ende steht ja die Frage, wie es gemeinsam gelingt, das Unternehmen mit seinen Beschäftigten dauerhaft erfolgreich zu machen. So ist man also auch mal das Scharnier zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber, denn oft kommt man in Situationen, wo die Fronten verhärtet sind und zutiefst konfrontativ gedacht wird. Wichtiger ist es, Meinungen zu bilden, zu zeigen, wo die Reise hingeht. Das wissen beide Seiten längst nicht immer. Meist gibt es einen vagen Korridor, aber keine genaue Zielvorstellung. Insofern muss man auch Mediator sein, Zielvorstellungen kanalisieren – und vor allem gut mit den eingeschalteten Anwälten zusammenarbeiten. Ich habe noch nie ein Mandat erlebt, bei dem nicht schon ein Anwalt im Boot gewesen wäre. Und das ist auch richtig und wichtig. Neben der Wirtschaftsberatung sollte ein Anwalt so früh wie möglich mitarbeiten.

Joerdell: Welche Unterschiede bestehen zwischen der Beratung eines Unternehmens und der Beratung eines Betriebsrates?
Lottis: Drei Punkte: Bei uns steht das gesamte Unternehmen im Betrachtungsfokus einer Plausibilisierung einer erforderlichen Sanierung oder Restrukturierung und nicht nur das Personal. Zweitens dürfen wir als Berater des Betriebsrates keine Fehler machen und müssen besser sein als die Berater auf der Arbeitgeberseite – weil nur dann Aussicht besteht, den Arbeitgeber von unserem Alternativkonzept zu dem von ihm vorgesehenen Personalabbau zu überzeugen. Und drittens braucht es Zeit für Gespräche, um die mitunter unterschiedlichen Vorstellungen der betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu bündeln und am Ende - wenn möglich - mit der Interessenlage des Arbeitgebers zu harmonisieren.

Joerdell: In welchen Fällen halten Sie die Einschaltung einer Unternehmensberatung durch einen Betriebsrat für sinnvoll?
Lottis: Bei jeder Art von Betriebsänderung, die Stellenabbau, Standortverlagerung oder –schließung beinhaltet. Und hier rate ich immer, nicht nur bei der geplanten Betriebsänderung aktiv einen Berater

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einzuschalten, sondern auch in der späteren Umsetzung der Maßnahmen, denn nur so ist gewährleistet, das der Betriebsrat auch hier immer eng eingebunden ist und so aktiv Einfl uss nehmen kann, wenn es eben mal nicht so läuft wie auf dem Papier geplant war. Das andere große Thema für uns ist der Bereich des Wirtschaftsausschusses, hier ist eine Zusammenarbeit stets sinnvoll. Wer sich von uns im WA beraten lässt, kann oftmals sehr frühzeitig mit den Informationen der Arbeitgeberseite arbeiten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und Arbeitsplatzabbau droht. Zudem halte ich die Themen Outsourcing und Unterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit für sehr wichtig (nicht nur, weil Kurzarbeit derzeit in der Krise ein wichtiges Thema ist).

Joerdell: In welchem Stadium der Verhandlungen sollte dies geschehen?
Lottis: So früh wie möglich. Der Arbeitgeber ist ja meist der Meinung, der Betriebsrat brauche keine Beratung, der möge bitte einfach nur zustimmen. Immer mehr Betriebsräte lassen sich aber nicht mehr so einfach in diese Ecke manövrieren, sondern nutzen die Rechte auf Beratung, die sie als Betriebsrat haben. In der Regel sollten wir als Berater genau wie die Anwälte schon in der Informationsphase dabei sein. Wer wirklich etwas gewinnen will, tut gut daran, mit seinen Beratern und Juristen sehr früh zu starten und bis zum Ende der Verhandlungen zusammenzuarbeiten.

Joerdell: Wie viel Zeit benötigt eine Unternehmensberatung, um für einen Betriebsrat sinnvoll tätig werden zu können? Wie geht BRC an einen solchen Fall heran (bezüglich der Arbeitsweise)?
Lottis: Das hängt von der Komplexität des Falls und der Größe des Unternehmens ab. Der eigentliche Beratungsprozess dauert zwischen vier bis acht Wochen. Aber an einem umfangreichen Mandat sitzt man unter Umständen auch ein Jahr. Den Umfang kann man vorher nur bedingt einschätzen. So ein Beraterpapier kann schnell mal 250 Seiten haben, die wollen qualitativ hochwertig durchgearbeitet sein und möglichst rasch eine gute Alternative haben.

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