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SWP historischWas der Ursprung der Arbeiter-Unfallversicherung mit Franz Kafka zu tun hatFranz Kafka – fast jeder hat den Namen wohl einmal im Deutschunterricht gehört, las oder musste „Die Verwandlung“ oder „Das Urteil“, zwei der bekanntesten Erzählungen des böhmisch-jüdischen Autors, lesen. Was nicht viele wissen: Im Hauptberuf war Kafka als Jurist bei einer Unfall-Versicherungsanstalt angestellt, geschrieben hat er Nachts. Als Kafka 1908 als Doktor der Rechte 25-jährig seinen Dienst in der AUVA (Arbeiter Unfallversicherungsanstalt für das Königreich Böhmen) in Prag begann, war von ihm als Schriftsteller noch keine Rede. Er vertraute zwar seinem literarischen Können, war aber in sozialen Dingen unsicher. Einen festen Rahmen bot ihm der Beruf. Das Bild vom kleinen Angestellten, das sich bis heute als Klischee hält, ist übrigens falsch – er hatte durchaus keine unbedeutende leitende Position. Doch zunächst zurück zur AUVA. Von 1883 bis 1889 wurden im Deutschen Reich Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung für Arbeiter und Angestellte unter dem Dach der Sozialversicherung geschaffen. Reichskanzler Bismarck stützte so sein „Sozialistengesetz“. 1889 startete die Arbeiter-Unfall-Versicherung in der Österreichischen Monarchie. Sieben Arbeiter-Unfall-Versicherungs- |
Anstalten in Wien, Graz, Brünn, Triest, Salzburg, Lemberg und Prag gab es zunächst. Die Prager Anstalt war die wichtigste: Schließlich war Böhmen dank Bergbau, Metallurgie, Glas-, Keramik- und Textilfabriken fast das wichtigste Industriegebiet Europas. Die Prager AUVA sorgte dank Unternehmerbeiträgen, die nicht immer problemlos und freiwillig flossen, für Entschädigungen und Unfallrenten der Arbeiter. Ab 1910 kam die AUVA endlich aus den roten Zahlen raus. Kafka stieß also in der Phase ihres Erstarkens zur AUVA. Seine Abteilung umfasste 70 Beamte. Er war einer der drei Leitenden, hatte 30 Referenten. Kafka hatte sich um die Aufklärung zur Unfallverhütung, die Einreihung der Betriebe in Gefahrenklassen, die Bearbeitung von Unternehmer-Widersprüchen zu kümmern. Labyrinthische Prozessverläufe, unvorgesehene Hindernisse, Bürogehilfen, die sich wie Folterknechte aufführen und Aktenberge, die mit einem unheimlichen Eigenleben nachwachsen, gab es nur in Kafkas Werk: Als Berufs-Profi ging Kafka vollkommen sicher mit ihnen um. Er bildete sich zudem an der technischen Hochschule weiter, war ein Wirtschaftskenner und pflichtbewusster Beamter. Wie in halbstaatlichen Behörden üblich, wurden die amtlichen Schriften von den Angestellten entworfen, vom nächsten ranghöheren Beamten überarbeitet und korrigiert sowie zu guter Letzt vom Direktor, in Kafkas Fall Dr. Robert Marschner oder Eugen Pfohl, abgezeichnet. Genau diese Vorgänge hatte Kafka zu betreuen, seine Tätigkeitsbezeichnung lautete denn |