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sehr selten. Dennoch ist die Lebensqualität in Kanada sehr hoch: „Immer wieder wurden wir von der UNO als Land mit der höchsten Lebensqualität ermittelt.“ Die kanadische Wirtschaft ist derzeit stabiler als die deutsche: Die Arbeitslosenquote in Kanada ist rund drei Prozentpunkte niedriger als in Deutschland.

In Sachen Krankenversicherung ist man den USA um einiges voraus: Es gibt ein staatliches Gesundheitssystem, in dem allerdings manchmal etwas Verwirrung herrscht, da die kanadischen Provinzen in Sachen Krankenund Sozialversicherung Mitspracherecht haben. „Wir haben alle die Care Card der Provinz, in der wir leben, aber nicht alle Provinzen zahlen für alle Behandlungen.“ Gemessen am Einkommen werde zudem in den “medical services plan” eingezahlt: „Ich zahle zum Beispiel recht wenig ein, weil mein Einkommen einfach noch nicht sehr hoch ist.” Zum größten Teil wird das System aber über Steuerbeiträge finanziert. Versichert sind aber nur Kanadier und Ausländer mit unbegrenzter Aufenthaltserlaubnis. Wer nur für kurze Zeit in Kanada lebt, muss sich selbst versichern. Viele Kanadier sind zudem über ihren Arbeitgeber zusatzversichert, da das Leistungsspektrum des staatlichen Gesundheitswesens sehr begrenzt ist. „Die Arbeitslosenversicherung funktioniert allerdings ähnlich, wie in Deutschland”, erklärt Heinrich. Allerdings ist sie freiwillig. Große Freiheit bedeutet eben in Nordamerika nach wie vor auch großes Risiko.

Kurt Heinrichs typischer Arbeitstag besteht aus Bildschirmarbeit und telefonieren. „Wir machen viel Akquise.“ Außerdem arbeitet er an Pressemitteilungen, tauscht E-Mails mit Kunden und Kollegen aus und recherchiert für Projekte viel im Internet. „Viele der Kunden, für die wir arbeiten, sind ganz groß im Ressourcengeschäft, handeln mit Mineralien oder sind in der Forstwirtschaft. Wir führen die nötige Medienbeobachtung für sie durch.”

Schon in seinem Arbeitsalltag spielt das Internet eine große Rolle, und wie überall sonst auf der Welt auch sind die Job- und Karrierechancen in Kanada im IT-Sektor mit am Besten.

Samstagsarbeit ist übrigens in vielen Firmen keine Seltenheit, und ohne Führerschein ist man so gut wie aufgeschmissen: „Verglichen mit Europa sind wir, was öffentlichen Personennahverkehr angeht, nicht sehr gut entwickelt.” Das Durchschnittsgehalt in Kanada liegt bei etwa 40.000 CAN-$ (etwa 26.000 €) im Jahr, der typische kanadische Angestellte geht mit etwa 60 Jahren in den Ruhestand. Urlaub gibt es im Schnitt etwa 14 Tage pro Jahr.

Man könnte gerade angesichts des schwächelnden Niedriglohnsektors meinen, dass es immer noch viel für Gewerkschaften in Kanada zu tun gebe: Aber die Macht der Arbeiterorganisationen bröckelt, weiß Kurt Heinrich zu berichten: „Es gibt immer weniger Mitglieder, die Gewerkschaften sind längst nicht mehr so mächtig wie etwa in Frankreich. In vielen Branchen gibt es fast nur noch nicht-gewerkschaftlich organisierte Belegschaften.” Viele Kanadier hätten das Gefühl, dass die Gewerkschaften in der Vergangenheit zwar wichtig waren, aber dass sie heute vielerorts für mehr Probleme sorgen, als dass sie Gutes tun und viel Bürokratie verursachen.

Für ungelernte Arbeiter sieht die Zukunft jedenfalls, ob mit oder ohne Gewerkschaften, in Kanada finster aus: „Es gibt Arbeit, aber keine gute Arbeit, und die Einwanderungsbehörden sind bestrebt, das Land weiter für Leute zu öffnen, die sich begierig auf Jobs im Niedriglohnsektor stürzen – für noch weniger Geld.” Ohne gute Ausbildung, so Heinrich abschließend, sei im ehemaligen Land der Pelzhändler und Holzfäller heute kein Glück mehr zu gewinnen. Artikel-Ende

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