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SWP: Was war für Sie denn die schwerste Entscheidung der letzten zwölf Monate? Krause-Kolvenbach: Das war die Entscheidung, an die Presse zu gehen. Eigentlich vertrete ich die Auffassung, dass man in einem Unternehmen wie in einer Ehe Probleme untereinander regelt und nicht nach außen trägt. Ein öffentlich ausgetragener Rosenkrieg ist meines Erachtens unehrenhaft. Aber letztlich hat dieser Schritt von allen unseren Vorgehensweisen die größte Wirkung erzielt. Eine solche Maßnahme würde ich allerdings wieder nur im absoluten Notfall ergreifen. SWP: Wie viel von Ihrer Freizeit ging eigentlich in der heißen Phase der Umgestaltung für die Betriebsratsarbeit drauf? Krause-Kolvenbach: Meine Freizeit bestand nur noch aus den Samstagen, die ich brauchte, um persönliche Dinge zu regeln. Ansonsten hatte ich so gut wie keine Freizeit. Wenn ich nicht bei Verhandlungen in Hannover im Hotel übernachtet habe, war ich selten vor 21 oder 22 Uhr zu Hause. Sonntags habe ich immer die Berge an Unterlagen für die nächste Woche durchgearbeitet und vorbereitet. SWP: Sie haben ja sehr tiefgreifende Erfahrungen gesammelt. Welche Tipps würden Sie Betriebsräten geben, die noch nicht so viel Erfahrung im Umgang mit Arbeitgebern haben? Krause-Kolvenbach: Neben den zuvor genannten Charaktereigenschaften ist ein Punkt ganz wichtig: Immer den geraden, ehrlichen Weg gehen! Egal,
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welchen Taktiken und Tricksereien man begegnet – wenn man sich selbst treu bleibt und zu seinem Wort steht, zahlt sich dies im menschlichen Miteinander langfristig immer aus. Bleiben Sie bei Ihren Zielen und lassen Sie sich nicht von Namen, Titeln oder Statussymbolen beeindrucken. Und: Man darf nicht gefallen wollen, sonst ist man manipulierbar. SWP: Apropos gefallen – haben Sie den Eindruck, dass Ihr Arbeitgeber Ihre Arbeit und Ihre Verdienste als Betriebsrätin schätzt und respektiert? Krause-Kolvenbach: Bei Gerling zumindest war es so, auch wenn wir viele Sträuße gefochten haben. Mit Talanx habe ich zu wenig Erfahrung, um eine Pauschalaussage treffen zu können. Aber ein Satz eines Talanx-Vorstandes, der mich sehr verletzt hat, ist mir immer noch im Gedächtnis: „Betriebsräte machen ihren Job doch nur, um für sich selbst etwas herauszuschlagen oder weil sie meinen, irgendeiner Berufung zu folgen…“ SWP: Was ist aus Ihrer Sicht der größte Erfolg, den Sie als Betriebsrätin hatten? Krause-Kolvenbach: Dass auch Kollegen, die unsere Strategien bei den Verhandlungen kritisch sahen, gesagt haben: „Wir stimmen nicht mit allen euren Ideen überein, aber wir finden es toll, wie ihr für uns kämpft.“ Dass und das Vertrauen der Kollegen sind mir am meisten wert. Birgit Krause-Kolvenbach ist 54 Jahre alt und alleinerziehende Mutter zweier Töchter
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