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des Unternehmens nicht aus den Augen verlieren. Denn von einer Insolvenz hat keine der beiden Seiten etwas. Das Verhältnis zwischen Unternehmensinteressen und Mitarbeiterinteressen muss ausgewogen sein. Denken Sie an Nokia oder Allianz, da werden Riesengewinne eingefahren, und trotzdem gibt es Massenentlassungen. Das grundlegende Problem ist meines Erachtens, dass in unserer Zeit Werte nicht mehr gelebt werden und die gesellschaftliche Haltlosigkeit auch in den Unternehmen Raum greift. Als Betriebsräte müssen wir ein Gegenmodell vorleben. Man muss ein realistisch denkender Idealist sein.

SWP: Damit geben Sie uns das Stichwort für die nächste Frage. Welche charakterlichen Voraussetzungen braucht man denn Ihrer Meinung nach für das Amt des Betriebsrats?

Krause-Kolvenbach: Man braucht Durchsetzungsvermögen, aber auch eine gewisse Ruhe und Gelassenheit den Dingen gegenüber. Die Geschäftsleitung kocht auch nur mit Wasser. Man muss das Säbelrasseln als solches erkennen und aushalten können, darf nie seine Ziele aus den Augen verlieren, muss sich in seinen Gegenüber einfühlen können und ein Stückweit Schachspieler sein. Jeder Zug ergibt eine neue Spielsituation, die es erfordert, Denkschemata loszulassen uns sich auf veränderte Situationen einzustellen.

SWP: Was hat Sie denn an dem Prozess, den Sie in den letzten Monaten maßgeblich mitgestaltet haben, am meisten bewegt – positiv wie negativ?

Krause-Kolvenbach: Positiv hat mich am meisten das Verhältnis zu den

 

 

Mitarbeitern bei uns in der GKA (Gerling Konzern Allgemeine Versicherungs-AG, Anm. von SWP) bewegt. Immer wenn ich dachte, ich hätte keine Kraft mehr, hatte jemand ein liebes, aufmunterndes Wort für mich, oder es standen morgens Blumen mit einem – manchmal anonymen – Dankschreiben auf meinem Schreibtisch. Auch wenn wir nicht die Ziele erreicht haben, die wir gern erreicht hätten, brachten uns die Mitarbeiter trotzdem Verständnis, Vertrauen, Anerkennung und Zuneigung entgegen. Sie haben uns nicht unter Druck gesetzt; stattdessen zeigten sie uns ihre Dankbarkeit dafür, dass der Betriebsrat so für sie gekämpft hat. Negativ hat mich die – nach meinem persönlichen Empfinden – mangelnde Aufrichtigkeit der neuen Geschäftsleitung am meisten berührt sowie die Tatsache, dass es nicht das oberste Interesse aller Verhandlungsbeteiligten zu sein schien, eine möglichst gute Lösung für alle Menschen im Betrieb zu finden. Ich denke, wir haben nicht alle so an einem Strang gezogen, wie wir es gekonnt hätten.

SWP: Sicherlich war die Restrukturierung Ihres Arbeitgebers keine einfache Aufgabe. Was für Erfahrungen haben Sie denn gemacht?

Krause-Kolvenbach: Vor allem die, dass wir vermutlich mehr hätten erreichen können, wie ich gerade schon sagte. Auch waren die Strategien der Geschäftsleitung interessant. Eine dieser Strategien war zum Beispiel, Konditionen anzubieten, die sich nicht im üblichen Rahmen bewegten, sondern unzumutbar waren. Dies hatte zur Folge, dass die Verhandlungskommission bereits unverhältnismäßig viel Kraft aufbringen musste, um die Konditionen auf die bei Verhandlungen übliche Ausgangsbasis hoch zu verhandeln.

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