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Buch-TippAnnette Pehnt Mobbing„Wenn das Schlimmste passiert ist, muss man sich endlich nicht mehr davor fürchten, sagte Joachim. Er warf den Briefumschlag auf den Küchentisch. Und mit einem merkwürdigen Ausdruck der Erleichterung fügte er hinzu, sie haben es geschafft. Was sie gegen ihn vorbrachten, war gelogen. Aber Feinde, Gespenster, Verschwörungen gehörten seit Jahren zu unserem Leben. Jetzt musste er wenigstens nicht mehr über die Arbeit reden, jetzt hatte er keine Arbeit mehr. Was aber würde aus ihm werden, was aus uns?“ (Klappentext des Romans) Schon mit ihren Altersheim-Roman „Haus der Schildkröten“ nahm Autorin Annette Pehnt gesellschaftliche Realität sehr präzise in den Blick. Auch das Thema „Mobbing“ schildert sie mit Finesse, in der Tiefe durchdacht und ohne überflüssigen Ballast. Das Buch bewegt sich dabei entlang der Grenze zur sozialpsychologischen Fallstudie. Bewundernswert lakonisch kommt die Geschichte daher, die den furchtbaren Weg einer Existenzvernichtung durch Mobbing erzählt. Nahe gebracht wird die Geschichte dem Leser nicht aus der Perspektive des Opfers, des Büroangestellten Jo Rühler, sondern aus der Sicht seiner Ehefrau, die sich nie ganz sicher ist, was im Büro ihres Mannes wirklich los ist. Erst bei aufmerksamer Lektüre zeigt sich die „subtile Raffinesse“, mit der Pehnt schreibt: Zum Beispiel in dem Kunstgriff, die Erzählzeit auf einen einzigen Valentinstag zu konzentrieren.
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Diese abgespeckte Prosa ist sehr wirkungsvoll, weil der Erzählstil dazu führt, dass man sich auf die Geschichte einlässt und auf Zwischentöne achtet. Was wirklich geschieht, weiß man nicht, die Informationsebene aus zweiter Hand verstärkt die Beklemmung, erzeugt Unheimlichkeit. Obwohl die Handlung die Diagnose mitliefert, wie sich die wandelnden Arbeitswelten auf den Mittelstand auswirken, ist der Roman eher eine Fallstudie als eine Gesellschaftsnovelle – und vielleicht gerade deshalb umso wirkungsmächtiger.
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