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SWP: Arbeitsbedingungen international

„Vom zweiten Leben und Tod durch Arbeit“

aushält – das oft genug damit beginnt, dass Ordner in den Vororten Menschen in die übervollen U-Bahnen pressen, damit die Türen geschlossen werden können? Laut geht es übrigens erstaunlicherweise nicht zu: Die Lautsprecher- Durchsagen sind gut zu verstehen, sie werden allenfalls unterbrochen durch klappernde Absätze, das Klingeln eines Handys und eine Entschuldigung – „Gomenasai“. Der kurze Blick auf diese Pendlerszene zeigt: In Japan herrscht eine andere Arbeitswelt als in Europa.

Fragt man Japaner nach ihrem Beruf, antworten sie oft mit dem Namen der Firma. Nicht die Art der Tätigkeit steht im Mittelpunkt, sondern der Arbeitgeber. Der versucht so umfassend für seine Angestellten da zu sein, dass Europäer nicht umhin können, an totalitäre Verhältnisse zu denken. Wer in Japan bei einer größeren Firma arbeitet, wohnt in einem Apartment des Konzerns, dem stehen unternehmensinterne Kliniken zur Verfügung genauso wie eigene Sportanlagen und günstige Kredite, ja sogar Ehevermittlungsinstitute. Etliche Betriebe versuchen sogar, Einfluss auf die Freizeitgestaltung Ihrer Belegschaft zu nehmen, sie durchs Tragen von Firmenlogos auch außerhalb der Dienstzeit und durch Gruppengymnastik am morgen und in den Arbeitspausen sowie Freizeitaktivitäten an sich zu binden.

Die jüngere Generation steht diesen Versuchen zur emotionalen Unterwanderung der Belegschaft zunehmend kritisch gegenüber. Das gemeinsame morgendliche Absingen der Unternehmenshymne ist jedoch fast überall selbstverständlich.

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Wer schon einmal während der Rush Hour in Tokio im Bahnhof Shinjuku war, kennt das Bild: Durch eine seltsam unwirklich anmutende, dezent futuristisch weißgekachelte riesige Bahnhofsanlage hetzen aus allen Richtungen in Schwarz und Anthrazit gehüllte Ströme von Menschen. Sie pressen Akten- und Laptop-Taschen an sich, den starren Blick in eine unbestimmte Ferne gerichtet. Für Fremde ist es nicht empfehlenswert, sich zu dieser Zeit im öffentlichen Personennahverkehr Japans zu bewegen.

Die sonst so höflichen und zurückhaltenden Japaner definieren nämlich das Verkehrschaos zur Rush Hour im Großraum Tokio, in dem sich täglich morgens und abends 18 Millionen Menschen von und zur Arbeit bewegen, als Naturgewalt. Die Ströme von Sarari-Männern und Office Ladies (Sarari ist eine japanische Verballhornung des englischen „Salary“, und könnte böse übersetzt „Lohnsklave“ heißen), die sich wie Lemminge durch den Bahnhof Shinjuku schieben und schon manche europäische Reisegruppe einfach auseinanderrissen, sind nur der Anfang.

Der wahre Horror beginnt in den Zügen. Wie muss es da erst in den Firmen aussehen, wenn schon der Weg zur Arbeit als Kraft der Natur verbrämt wird, der man sich besser nicht entgegenstellt, damit man das tägliche Pendeln

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