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„Krankenrückkehrgespräch: Das Verhör nach der Genesung“

Wenn die Antwort auf die Frage nach der Gesundheit zum Kündigungs-Risiko wird

„Wahrhaftig? Aber dann sind Sie eine höchst studierenswerte Erscheinung! Mir ist nämlich ein ganz gesunder Mensch noch nicht vorgekommen.“

(Dr. Krokowski zu Hans Castorp, Hauptfigur in Thomas Manns Der Zauberberg, nach dessen Aussage, gesund zu sein)

In Der Zauberberg, Thomas Manns großem Zeit- und Sanatoriums-Roman, geht es darum, wie ein gesunder junger Ingenieur, der seinen Vetter nur auf zwei Wochen in der Lungenklinik besucht, von der Atmosphäre angesteckt wird – und sieben Jahre als Kranker bleibt. Das böse Erwachen: Der erste Weltkrieg. Auch für viele Arbeitnehmer gibt es manchmal nach längerer Rekonvaleszenz ein böses Erwachen. In Form eines Gesprächs mit einem Vorgesetzten, in dem oft genug festgestellt werden soll, dass sie gesünder sind, als sie zu sein meinen. Krankenrückkehrgespräche sind ein nicht unerhebliches Instrument in den Händen von Arbeitgebern, um Druck auf ihre Angestellten auszuüben.

Da nehmen solche Meldungen in der Presse kaum Wunders: In Deutschland haben sich Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2007 so selten krank gemeldet wie seit Jahrzehnten nicht. Das wundert Arbeitsmarktexperten - denn bei guter

Konjunktur steigt meist der Krankenstand. Die „Welt“ berichtet gar vom niedrigsten Krankenstand in einem Halbjahr seit der Wiedervereinigung.

Neben Umstrukturierungen in den Unternehmen sei ein Grund für die abnehmenden Krankenstände, dass sich viele Betriebe in den vergangenen Jahren von Mitarbeitern mit schwächerer Gesundheit getrennt hätten. Das Bemerkenswerte an diesen Zahlen: gleichzeitig steigt die Anzahl psychischer Erkrankungen drastisch. Auch die darauf beruhenden Fehlzeiten werden immer länger. Das zeigen die Untersuchungen des BKK-Bundesverbands.

Ingesamt gehen etwa 8,9 Prozent aller Krankentage auf psychische Störungen zurück. Das ergibt die Halbjahresbilanz des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen (BKK). 1976 lag dieser Anteil bei nur zwei Prozent. Besonders auffällig ist die Zunahme so genannter affektiver Störungen wie Depressionen. Hier wurde im Zeitraum 2001 bis 2006 allein ein Anstieg der Fehlzeiten um 35 Prozent registriert.

Auch wenn Experten über die Erhebungsmethoden der Daten streiten und 2007 ein Anstieg des Krankenstandes erwartet wird, machen diese Zahlen eins deutlich: Der Wind in deutschen Firmen wird rauer. Und gerade wer lange krank war, kann sich unter Umständen warm anziehen.

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